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ODAYO Farbe, Kulturelles Erbe, Provenienz

Provenienzforschung zu Yoruba-Werken in Frankreich und Deutschland: Entwicklung einer Methode basierend auf Farbanalyse, materieller Untersuchung, Wissensaustausch und dem Aufbau einer restitutiven Zusammenarbeit
Das ODAYO-Projekt schlägt eine Methode zur Provenienzforschung vor, die historische Untersuchungen mit einer Analyse von Materialien und organischen Farbstoffen kombiniert. Es bietet eine Pilotstudie zu Yoruba-Werken mit polychromer Dekorationen, die in Frankreich und Deutschland aufbewahrt werden. Der Korpus besteht aus Werken, die während der vorkolonialen und kolonialen Zeit gesammelt wurden und aus der Yoruba-Zone zwischen Porto Novo und Abéokuta (Südost-Benin und Südwest-Nigeria) stammen.
Das Materialstudium dieser Werke, die stilistische Interpretation und die physikalisch-chemische Analyse der Farbstoffe, Pigmente und Bindemittel verstärken den Forschungsprozess und liefern Hinweise auf ihre Datierung, Herstellung und geografische Herkunft.
Dieses Projekt wurde am universitären Forschungszentrum Natitingou (UNSTIM) in Benin entwickelt. Im Projekt werden im Austausch mit Yoruba-Handwerkern Kapazitäten für Analysen und ethnobotanische Sammlungen erzeugt und so die Dokumentation von Know-how und die Weitergabe von Forschungsergebnissen an die Gesellschaften vor Ort gefördert. Gemeinsam mit Kunsthandwerkern und Experten aus den jeweiligen Regionen werden Forschungsarbeiten rund um Techniken, Pflanzen, Farbstoffe und Pigmente durchgeführt und die Ergebnisse im Gegenzug geteilt.
Das Projekt wird auch in Frankreich von zwei unabhängigen Forscherinnen durchgeführt, von denen die eine Konservatorin und Restauratorin (organisches Material und Polychromie) ist, die andere Provenienzforscherin und Ethnobotanikerin. Ihre Arbeit mit den in Europa erhaltenen Beständen wird dank der engen Verbindung mit dem beninischen Team und den Yoruba-Kunsthandwerkern grundlegend erweitert. Die Kooperation mit Yoruba-Akteuren wird diesen gleichzeitig den Zugang zu ihrem Erbe im Exil ermöglichen.
Im Jahr 2025 konnte dieses erste Kollektiv dank der anfänglichen Unterstützung des Marc-Bloch-Fonds ein multidisziplinäres und plurinationales Team aufbauen bestehend aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Museum Fünf Kontinente in München und des Musée des Confluences in Lyon, an dem sich dann auch das Museum der Künste Afrikas, Asiens und Ozeaniens in Marseille (MAAOA) und das Laboratoire Green in Avignon beteiligen. In Benin tragen eine Museumskuratorin, die sich mit der Vermittlung von Kulturerbe befasst und zwei beninische Promovierende, zu dem Projekt bei. So erhält das Projekt eine Vermittlungs- und Ausbildungskomponente, die die Verbreitung der Ergebnisse an die breite Öffentlichkeit in Benin erleichtert.
Ziel dieses Forschungsjahres wird es sein, den Wert dieses Ansatzes zu belegen, zu kommunizieren und nachhaltig zu gestalten. Eine Publikation und ein Film machen die Arbeit sichtbar. Im Rahmen von zwei Veranstaltungen in Benin werden die Ergebnisse der breiten Öffentlichkeit, Forschenden und Studierenden, Kunstschaffenden und Personen, die ein Handwerk ausüben, zugänglich gemacht. Diese Veranstaltungen werden in Europa in die Welt der Museen übertragen.
Stichworte : Kulturelles Erbe, Materialität, Analysen, Chemie, Archäometrie, Pflanzenfarben, Rep. Bénin, Yoruba, Museen, Kunsthandwerk, Skulpturen, Holz, Polychromie, Textilien, Pflanzenfasern, Provenienz.
Das Projekt ODAYO baut auf dem Projekt COULEURS (2025) auf.
Ansprechpartner am Museum Fünf Kontinente: Dr. Stefan Eisenhofer, PD. Dr. Richard Hölzl
Gefördert durch: Deutsch-französische Provenienzforschungsfonds zu Kulturgütern aus Subsahara-Afrika am Centre Marc Bloch
Projektlaufzeit: 2026
COULEURS

Im Fokus des Projekts „COLORS- African Heritage: Works, Materials and Organic Dyes“ steht die Untersuchung von organischen Verbindungen bei der Färbung von Yoruba-Werken. Die Materialien und Techniken, die bei der Herstellung eines Objekts verwendet wurden, ermöglichen Informationen über den Entstehungsort, eine bestimmte Werkstatt oder einen spezifischen Künstler. Diese Daten ermöglichen somit Provenienzforschung, die vom Herkunftsland und nicht nur von europäischen Quellen ausgeht. Ziel des Projekts ist, das Herkunftsgebiet oder den Herkunftsort, die Werkstatt oder die Herkunftsfamilie von polychromen Objekten aus dem Yoruba-Kulturraum zu bestimmen.
Das Projekt wird von einem Kollektiv aus deutschen, französischen und beninischen Forschern geleitet, die über Fachkenntnisse in den Bereichen Chemie, Konservierung, Restaurierung, Ethnologie und Archivforschung verfügen. Die Forschung konzentriert sich auf mit pflanzlichen Farben gestaltete Yoruba-Objekte aus Holz, Leder, Pflanzenfasern oder farbigen Textilien aus der Zeit vor 1930. Untersucht wird ein Korpus von Artefakten aus europäischen Museen – in erster Linie aus dem Musée des Confluences in Lyon und aus dem Museum Fünf Kontinente in München. In Verbindung mit der Auswertung von Archivmaterial über die Herkunft der Werke und deren Erwerbsumstände sollen erforscht werden:
Die Fertigungspraktiken und ihr Bezug zu ethnobotanischem Wissen und zu lokalen Praktiken der Pflege, des Sammelns, der Herstellung oder zu Ritualen. Die verwendeten Pflanzen und ihre geographische Verfügbarkeit. Die spezifischen Gepflogenheiten von Werkstätten in Bezug auf technische und kulturelle Besonderheiten.
Die Ergebnisse der Materialstudien werden unser Wissen über die Geschichte der Werke verbessern und dazu beitragen, technische Veränderungen im Zusammenhang mit ihrer Verbreitung (in kommerziellen oder kolonialen Kontexten) zu identifizieren. Die Studien werden auch ein wertvolles immaterielles Erbe (technische Praktiken, Know-how, Nutzpflanzen) verdeutlichen, das aktuelle zeitgenössische handwerkliche Praktiken beeinflussen kann.
Zur Identifizierung des Ursprungs der Werke werden alle analytischen, ethnobotanischen und historischen Belege miteinander abgeglichen. Im Gegenzug werden die Ergebnisse an die Öffentlichkeit in den Yoruba-Regionen sowie speziell an die dortigen Kunsthandwerker weitergegeben, damit diese sie nutzen und ihr Fachwissen weiter pflegen können. Zudem kann dadurch die Erhaltung der ursprünglich verwendeten pflanzlichen Materialien weiter erforscht und ermöglicht werden.
Das Projekt wird sich zunächst auf den Aufbau eines vom Marc Bloch Fonds unterstützten Partnerschaftsnetzwerks konzentrieren. Dazu soll ein nachhaltiges, multidisziplinäres und multinationales Team gebildet werden, das die in Europa aufbewahrten Yoruba-Objekte besser zu verstehen helfen wird.
Stichworte : Kulturelles Erbe, Materialität, Analysen, Chemie, Archäometrie, Pflanzenfarben, Rep. Bénin, Yoruba, Museen, Kunsthandwerk, Skulpturen, Holz, Polychromie, Textilien, Pflanzenfasern, Provenienz.
Im Projekt kooperieren das das Musée des Confluences Lyon, Museum Fünf Kontinente München, die École Normale Superieure Natitingou-UNSTIM und das Musée Honmé Porto-Novo/Bénin.
Ansprechpartner am Museum Fünf Kontinente: Dr. Stefan Eisenhofer, PD. Dr. Richard Hölzl
Gefördert durch: Deutsch-französische Provenienzforschungsfonds zu Kulturgütern aus Subsahara-Afrika am Centre Marc Bloch
Projektlaufzeit: 2025/26
Deutscher Kolonialismus auf den Philippinen. Die Sammlung von Heinrich Rothdauscher (1851–1937) im Museum Fünf Kontinente in München

Gemeinsam starten das Museum Fünf Kontinente, die Bayerische Akademie der Wissenschaften und die Otto-Friedrich-Universität Bamberg ein Forschungsprojekt zur kolonialen Vergangenheit: Das Vorhaben »Deutscher Kolonialismus auf den Philippinen. Die Sammlung von Heinrich Rothdauscher (1851–1937) im Museum Fünf Kontinente in München« wird vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste finanziert.
Im Mittelpunkt steht die Sammlung des Apothekers Heinrich Rothdauscher, die zu den ältesten Philippinen-Beständen in deutschen Museen zählt und insbesondere Objekte verschiedener ethnolinguistischer Gruppen (Igorot) aus der Cordillera Central im Norden der Insel Luzon umfasst. Mehrere der insgesamt 112 Objekte stehen im Verdacht, unter Anwendung von Zwang oder Gewalt entwendet worden zu sein.
Heinrich Rothdauscher lebte zwischen 1873 und 1883 als Apotheker auf den Philippinen und brachte 112 Objekte nach München – darunter Alltagsgegenstände sowie Objekte von hoher kultureller und spiritueller Bedeutung. Quellen wie Briefe, Fotografien, Skizzenbücher und eine unveröffentlichte Autobiographie Rothdauschers zeigen, dass diese Objekte häufig in einem Umfeld von kolonialer Herrschaft, Abhängigkeit und Gewalt erworben wurden.
So beispielsweise auch der Anito, eine Ahnenfigur, die jüngst in der Ausstellung Der Kolonialismus in den Dingen des Museums Fünf Kontinente zu sehen war. Heinrich Rothdauscher erhielt sie als Geschenk eines spanischen Kolonialoffiziers, dem er bei der Gewinnung von Feingold geholfen hatte. Der unrechtmäßige Raub der Figur und die Schenkung deuten an, dass sich die deutsche Präsenz auf den Philippinen nicht notwendigerweise in Konkurrenz zu den kolonialen Bestrebungen anderer Länder, sondern teilweise in enger Verbindung und Ergänzung zu ihnen entwickelte. Dies wird das Projekt genauer untersuchen.
Mit dem Projekt verfolgen die Partnereinrichtungen das Ziel, die Sammlung umfassend aufzuarbeiten und ihre Erwerbungsgeschichte transparent zu machen. Geplant sind:
die Erforschung der Provenienz
eine digitale Edition zentraler Quellen mit englischer Übersetzung
eine vollständige fotografische Dokumentation aller Objekte
3D-Scans ausgewählter Stücke
eine kritische Analyse der kolonialen Sammlungspraxis deutscher Akteure in Südostasien.
Besonderen Wert legt das Projekt auf die gleichberechtigte Zusammenarbeit mit philippinischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie mit den Herkunftsgesellschaften. Prof. Dr. Analyn Salvador-Amores (University of the Philippines Baguio) und Prof. Dr. Ramon Guillermo (University of the Philippines Diliman) und Dr. Maria Cristina Martinez-Juan (SOAS, University of London) bringen ihre Expertise über indigene Gesellschaften in Nord-Luzon als Mitglieder des Scientific Advisory Board ein. Im partizipativen Dialog mit den betroffenen indigenen Gesellschaften werden die Projektmitarbeitenden während eines Aufenthalts auf den Philippinen zudem unterschiedliche Wissensbestände zusammenbringen und auf Augenhöhe gemeinsam weiterentwickeln. Alle Ergebnisse werden in englischer Sprache im Open Access veröffentlicht. Ergänzend sind eine Spring School für philippinische Nachwuchsforschende in München, eine öffentliche Abendveranstaltung im Museum Fünf Kontinente sowie ein begleitender Podcast geplant.
Projektlaufzeit: 1. Oktober 2025 bis 30. September 2026
Ansprechpartner am Museum Fünf Kontinente: PD Dr. Richard Hölzl
Projektpartner: Bayerische Akademie der Wissenschaften, Museum Fünf Kontinente, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Förderung: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
ProHumStra

Dieses Projekt erforscht die Provenienz von menschlichen Überresten in der Straßburger Anatomie, die von einer besonderen deutsch-französischen Vergangenheit geprägt ist: Zwischen 1892 und 1911, während der deutschen Annexion von Elsass-Lothringen, als die Universität Straßburg zur Kaiser-Wilhelms-Universität geworden war, gelangten 135 menschliche Überreste aus den damaligen deutschen Kolonien Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika und Togo in das Institut für Anatomie.
Das übergeordnete Ziel des Projekts ist es, zu einer »ReHumanisierung« (Rassool 2015) der Human Remains aus ehemaligen Kolonien beizutragen, ebenso wie zu einem Perspektivwechsel, der es afrikanischen Gesellschaften ermöglicht, sich mit der Geschichte neu auseinanderzusetzen, so schmerzhaft und traumatisch sie auch war, und die postkoloniale Situation neu zu erfassen (Bachir Diagne & Amselle 2018). ProHumStra wird sich hauptsächlich auf Archivrecherchen und Oral History stützen. Eine enge Zusammenarbeit mit Museen, insbesondere mit dem Museum Fünf Kontinente in München und dem Musée des Civilisations du Cameroun in Dschang wird Human Remains mit kulturellen Objekten in Verbindung bringen.
Am Museum Fünf Kontinente werden insbesondere Bestände aus Kamerun in den Blick genommen, die 1905 über den Kolonialarzt und Rassenforscher Theodor Berké nach München kamen. Ebenfalls 1905 übergab Berké der Universität Straßburg ein Konvolut an Menschlichen Überresten.
Das Projekt ist an den Universitäten Straßburg und Düsseldorf angesiedelt.
Ansprechpartner am Museum Fünf Kontinente: PD. Dr. Richard Hölzl
Gefördert durch: Deutsch-französische Provenienzforschungsfonds zu Kulturgütern aus Subsahara-Afrika am Centre Marc Bloch
Projektlaufzeit: 2025 bis 2026
Digitale Vermittlung von kolonialen Provenienzen am Museum Fünf Kontinente

Das Museum Fünf Kontinente zählt zu den großen ethnologischen Museen in Deutschland. Aus der über 150-jährigen Geschichte und aus dem thematischen Fokus auf die Kulturen aller Weltregionen erwachsen besondere Chancen und Herausforderungen. In der jüngsten Zeit rücken die Bestände in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit und Debatte, die das Museum aus kolonisierten Gebieten in der Kolonialzeit erworben hat.
Neben die Erforschung der Herkunft der Bestände (inkl. unrechtmäßiger und unethischer Erwerbsvorgänge), tritt die Aufgabe der kulturellen Vermittlung der Provenienz und der kolonialen Kontexte signifikanter Teile der Sammlungen des Museums. Diese Aufgabe eignet sich besonders für einen digitalen bzw. digital-analogen Ansatz, da koloniale Kontexte vielstimmig und multiperspektivisch vermittelt werden sollen. Das Koloniale verbindet Kulturen auf eine Weise, die sensible (Bild-)Sprache erfordert. Divergierende Konfliktlinien in Vergangenheit und Gegenwart, in ehemals kolonisierenden und kolonisierten Ländern sind zu erläutern. Das Projekt führt neue Blickwinkel in Form von Ton, Bild und Zitat ein und rückt die Menschen aus den Herkunftsgesellschaften der Bestände ins Zentrum.
Ansprechpartner: PD Dr. Richard Hölzl, Museum Fünf Kontinente
Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Noam Gramlich
Gefördert durch: Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (Programm kultur.digital.vermittlung)
Projektlaufzeit: November 2024 bis Oktober 2026
FangBeti

Pangwe-Pahouin-Fang-Bulu-Beti... Objekte, Identifikationen und Lokalisierung (FangBeti)
In europäischen Museumssammlungen, die im kolonialen Kontext entstanden sind, finden sich häufig die Ethnonyme „Pangwe”, „Pahouin” oder „Fang”, um die Herkunftsgesellschaften von Objekten aus Zentralafrika zu bezeichnen. Diese Begriffe beziehen sich auf eng miteinander verbundene, aber dennoch unterschiedliche Gesellschaften wie die Beti, die Bulu oder die Fang mit ihren zahlreichen Untergruppen (Ntumu, Mvai/Mveng, Betsi, Okak, Meke usw.).
Zu dieser kulturellen Problematik gesellt sich eine territoriale: Diese Bevölkerungsgruppen besiedeln ein weites Gebiet, das sich von der Sanaga-Region in Kamerun über Äquatorialguinea bis nach Lambaréné in Gabun erstreckt. Einige dieser Gebiete standen nicht nur zunächst unter deutscher, dann unter französischer Kolonialherrschaft, sondern wurden nach dem sogenannten Marokko-Kongo-Vertrag von 1911 auch zwischen den beiden Kolonialmächten ausgetauscht. Daher kann ein Objekt, dessen Herkunft in deutschen Museen als „Kamerun” bezeichnet ist, durchaus aus dem heutigen Gebiet Gabuns stammen.
Im Rahmen der Überlegungen zur eventuellen Rückgabe von Objekten ist es daher unerlässlich, ihre Gesellschaft und ihre Herkunftsregion so genau wie möglich zu identifizieren.
Ziel des Projekts ist es, Fachleute für die differenzierte Identifizierung von Objekten der Fang-Bulu-Beti-Kultur zu vernetzen und mit der detaillierten Beschreibung der Objekte in den beteiligten Sammlungen zu beginnen, um einen Referenzrahmen zu schaffen, der ein besseres Verständnis der Objekte dieses geokulturellen Raums ermöglicht.
Das Projekt bringt Personen aus den betroffenen Gesellschaften, afrikanische und deutsche Museumskuratoren, Historiker, die sich auf die deutsche Kolonialzeit spezialisiert haben, sowie Experten für die materielle und immaterielle Kultur der Fang zusammen.
Im Projekt kooperieren das Musée ethnographique et d’histoire des Peuples de la Forêt et École normale supérieure (beide Yaoundé, Kamerun), das Museum Fünf Kontinente München sowie das Centre national de la Recherche scientifique et Musée national d’Histoire naturelle (Paris).
Ansprechpartner am Museum Fünf Kontinente: PD. Dr. Richard Hölzl
Gefördert durch: Deutsch-französische Provenienzforschungsfonds zu Kulturgütern aus Subsahara-Afrika am Centre Marc Bloch
Projektlaufzeit: 2025/26
Spuren des »Boxerkrieges« in deutschen Museumssammlungen – eine gemeinsame Annäherung

Porzellan, Bronzen, Bildrollen – tausende von Objekten aus China in deutschen Museumssammlungen stammen aus Plünderungen, die um 1900 im Kontext des sogenannten »Boxerkrieges« stattfanden. Ihre problematische Herkunft ist in den wenigsten Fällen bekannt, die unterschiedlichen Wege, auf denen sie in deutsche Sammlungen gelangten, nur ansatzweise erforscht. Erstmals tun sich in diesem Projekt sieben deutsche Museen zusammen, um ihre Bestände systematisch nach Plünderware aus dem Boxerkrieg zu befragen und gemeinsam deren Provenienzen zu erforschen.
In der westlichen Literatur als »Boxer« bezeichnete Kämpfer waren Ende des 19. Jahrhunderts treibende Kraft einer antiimperialistischen Bewegung in Nordchina, die den Namen Yìhétuán Yùndòng (Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie) trug. Die Aufständischen griffen zunächst christliche Missionarinnen und Missionare und ihre chinesischen Anhängerinnen und Anhänger, bald auch ausländische Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Diplomatinnen und Diplomaten an. Im Mai 1900 breiteten sich die gewalttätigen Ausschreitungen bis nach Peking aus und gipfelten im Juni in einer Belagerung ausländischer Gesandtschaften. Eine Acht-Nationen-Allianz, zu der auch das Deutsche Reich gehörte, entsandte Truppen nach China. Während des sogenannten »Boxerkrieges« von 1900-1901 wurden nicht nur die Aufständischen aufs gewaltvollste niedergeschlagen, Peking wurde zudem ausgeraubt und gebrandschatzt. Tausende von Kunstwerken und anderen Artefakten aus den Plünderungen gelangten in der Folge direkt oder auch indirekt, zum Beispiel über den Kunsthandel, in deutsche Museumssammlungen, wo sie bis heute aufbewahrt und ausgestellt werden.
Das Projekt »Spuren des Boxerkrieges in deutschen Museumssammlungen« untersucht sowohl Objekte in den einzelnen Institutionen als auch Akteurinnen und Akteure, die in deren Raub, Transport und Handel verwickelt waren. Dabei sollen museumsübergreifend historische Mechanismen des Sammelns dieser sensiblen Objekte in Deutschland sichtbar gemacht werden. Ziel des Projekts ist neben der Erforschung der Sammlungsbestände die Herausgabe eines methodologischen Leitfadens. Dieser wird die Basis für eine umfassendere Aufarbeitung der im Kontext des »Boxerkrieges« stehenden chinesischen Sammlungsbestände in nationalen wie internationalen Museen schaffen.
Verbundprojekt von:
• Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin (Zentralarchiv / Museum für Asiatische Kunst / Ethnologisches Museum)
• Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt Hamburg
• Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
• GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig
• Museum Angewandte Kunst Frankfurt am Main
• Museum Fünf Kontinente München
In Kooperation mit: Shanghai University, Department of History
Gefördert durch: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Projekt-ID: KK_LA03_I2021
Projektlaufzeit: November 2021–November 2023
Thinking through Wood: Maori Artefacts in the Museum Fünf Kontinente, Munich

Pacific collections in ethnological museums include a large number of wooden artefacts. However, only in very few cases have in-depth analyses regarding their materiality or their deeper meanings been executed. Wood, wood carving and pieces made from wood can have metaphorical and metaphysical implications in Pacific cultures, and they may be interpreted as reflections of social order. Furthermore, historical artefacts now in museums played a part in a political economy of production and exchange, both on a local and a global scale, during colonial times.
Assumptions and ascriptions of what kind of wood objects in museums are made of, if done at all, are usually made according to the academic literature, based on first-hand observations by anthropological field workers. However, oral traditions in museums, hearsay, or assurances given by dealers in ethnographic artefacts when selling pieces to museums, have also often been taken for granted.
As a first step and pilot study for a larger project of Thinking through Wood, all wooden artefacts of the Maori collection in the Museum Fünf Kontinente will be scrutinized from different angles. A study of the relevant literature on Aotearoa New Zealand woods, on Maori carving and artefacts will be combined with natural science approaches of assessing kinds of wood and carving techniques. Provenance research will try to trace back the artefacts to former owners and, if possible, the Maori owners and makers. Most important, though, contact with Aotearoa New Zealand specialists on wood, carving and carved pieces will be established to invite Maori expertise.
Abgeschlossene Projekte
Provenienz Jaunde? Die »Djom«-Figurengruppe und weitere Bestände aus der Kulturregion Fang-Beti (Kamerun) am Museum Fünf Kontinente

Das Museum Fünf Kontinente hat in seinem Bestand eine Figurengruppe (»Djom«) aus der Kulturregion Fang-Beti, die aus der Sicht von Kameruner Forschenden und Kulturexperten als ein kulturell bedeutsames Stück Kulturgut gelten kann. Daher besteht ein dringendes Interesse an Provenienzforschung zu diesem Werk.
Die Figurengruppe besteht aus zwei männlichen und einer weiblichen Figur gerahmt von einer Schlitztrommel an einem Ende und einer großen Schlange sowie zwei Hühnern am anderen. Die Skulpturenelemente sind auf einen ca. 4,6 m langen Holzbalken montiert. Sie sind bemalt und in sehr aufwendiger Schnitztechnik gefertigt. Laut historischen Aufzeichnungen kam das Werk bei Initiationen männlicher Jugendlicher der Bevölkerungsgruppe der »Eton« zum Einsatz (»Sso-Ritual«). Die Aneignung in der Region Yaoundé geschah um 1900 durch den Kolonialoffizier Hans Dominik. Es gelangte über den Ethnographica-Handel 1922 nach München.
Ziel des Vorhabens ist, erstens, die Umstände der Aneignung des Werks und die Herkunftsgesellschaft zu eruieren. Zweitens, sollen in Kooperation mit der Herkunftsgesellschaft und Kameruner Expertinnen wie Experten, die historischen und kulturell-spirituellen Bedeutungen des Werks geklärt werden. Drittens werden Konvolute mit einbezogen, die in der Museumsdatenbank ebenfalls mit der historisch-geografischen Referenz »Jaunde-Station« versehen sind und die einem kolonialen Aneignungskontext zugeordnet werden können. Das Museum Fünf Kontinente kooperiert mit dem Musée national du Cameroun in Yaoundé.
Projektleitung: PD Dr. Richard Hölzl, Museum Fünf Kontinente
Wissenschaftliche Mitarbeit: Dechanel Tankeu M.A.
Gefördert durch: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Projekt-ID: KK_KU01_2024
Projektlaufzeit: Dezember 2024 bis April 2025
MUSA - Innovative (Multi-)Methoden zum sicheren Umgang mit schädigenden Altrestaurierungen

Wir sind Modell-Institution im MUSA-Forschungsprojekt! Gemeinsam tragen wir zur Erhaltung unseres kulturellen Erbes bei. Kulturgutschutz hat viele Fassetten, die nicht immer im Rampenlicht der Öffentlichkeit glänzen. Als Modell-Intuition im MUSA-Projekt ergreifen wir gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Forschenden (Care for Art, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des LMU Klinikums / Ascora ), der Kommunalen Unfallversicherung Bayern und weiteren musealen Partnerinnen und Partnern die Chance, Arbeiten mit Biozid belasteten Objekten sicherer zu gestalten. Die Gesundheit unserer Mitarbeitenden und der Erhalt unserer Sammlungen liegen uns am Herzen.
Wir unterstützen die Entwicklung einer innovativen Probenahme-Methode (MUSA-System) für das Umgebungsmonitoring von Bioziden in Museen, Archiven, Bibliotheken und Sammlungen. Durch die einfache und kostengünstige Anwendung rücken unsere Mitarbeitenden in den Fokus und wir können so langfristig unseren betrieblichen Gesundheitsschutz positiv beeinflussen. Gefördert wird dieses innovative Forschungsprojekt von der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU).
Wir freuen uns, als Modell-Institution dem MUSA-Team die Türen zu öffnen und so zu diesem wichtigen Forschungsprojekt beizutragen.
Weitere Informationen finden Sie auf der MUSA-Projekt-Homepage www.musa-projekt.de.
The MuseumsLab 2022

TheMuseumsLab, ein zukunftsweisendes Programm für beiderseitiges Lernen und Wissensaustausch für afrikanische und europäische Museumsnachwuchskräfte, wurde im Mai 2021 gestartet und wird 2022 weitergeführt. In dem Projekt werden vielfältige Fertigkeiten und Kompetenzen gebündelt. Museen sowie wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen kommen zusammen, um ein gemeinsames Konzept zu entwickeln und beiderseitiges Lernen zwischen Afrika und Europa zu fördern.
TheMuseumsLab wird von einer Vielzahl von Partnern getragen: dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), dem Museum für Naturkunde in Berlin (Leibniz-Institut) und dem Masterstudiengang Museumsmanagement und -kommunikation der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) in enger Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Beraternetzwerk The Advisors. Diese Partner stehen stellvertretend für ein weit größeres Spektrum dutzender Museen und Kunststätten, eine Vielzahl von herausragenden afrikanischen und europäischen Fachleuten und mehrere Kulturinstitutionen wie die Kulturstiftung der Länder (KSL) und die Kulturstiftung des Bundes (KSB), das Goethe-Institut und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa). TheMuseumsLab wird vom Auswärtigen Amt (AA) finanziert, in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).
Ziel von TheMuseumsLab ist der Aufbau einer praxisbezogenen Community, an der sich Museumsnachwuchskräfte aus Afrika und Europa beteiligen. Zahlreiche Podiumsrednerinnen und -redner sowie Dozentierende aus vielen afrikanischen und europäischen Ländern werden ihr Fachwissen einbringen und ihre Positionen zu einem breiten Spektrum von Themen darlegen. TheMuseumsLab soll eine Plattform werden, die gemeinsames Lernen ermöglicht sowie Einzelpersonen und Institutionen in afrikanischen und europäischen Ländern Kompetenzen vermittelt. Akademische Leistungsnachweise können erworben werden, neue Denkweisen sollen entwickelt und Praktiken der Zusammenarbeit von Museen und Kunststätten in Afrika und Europa erlernt werden.
Nachdem das Museum Fünf Kontinente im letztjährigen Projekt nachhaltige Beziehungen zum National Museum of Kenya sowie zum National Museum of Ghana aufbauen konnte, haben wir uns entschlossen, an diesem Programm auch im Jahr 2022 aktiv teilzunehmen.
Weitere Informationen: www.themuseumslab.org
Materiality – Museology – Knowledge

Drei Aspekte sind es, um deren Binnenverhältnis die Arbeit des Schwerpunktes kreisen wird: Materialität, Museologie und Wissen. Ihr Zusammenspiel soll sowohl theoretisch analysiert, als auch experimentell ins Werk gesetzt werden. Museen waren und sind grundlegend für jene akademischen Disziplinen, die sich mit Artefakten beschäftigen, so etwa für die Anthropologie, die Archäologie sowie die Kunst- und Naturgeschichte. Gleichzeitig ist das Museum selbst ein epistemischer Apparat, der aus räumlichen Gegebenheiten, strukturellen Vorgaben sowie materiellen und ästhetischen Praktiken besteht. Im Mittelpunkt stehen daher die Wechselbeziehungen von Ding, Raum, Praxis und Wahrnehmung, wie sie insbesondere im Museum und an der Universität hervorgebracht werden.
Kernstück des Schwerpunktes ist der enge Austausch mit den Münchener Museen, wie der Pinakothek der Moderne, dem Museum Fünf Kontinente und Biotopia. Es sind insbesondere mehrere praktische Einheiten in den Sammlungen geplant, um die disziplinären Rahmensetzungen der Anthropologie, Archäologie, Kunst- und Naturgeschichte in den Blick zu nehmen.
Sprecher/innen
Prof. Dr. Ruth Bielfeldt (Klassische Archäologie, LMU)
Prof. Dr. Philipp Schorch (Ethnologie, LMU)
Prof. Dr. Philipp Stockhammer (Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, LMU)
Dr. Uta Werlich (Museum Fünf Kontinente)
Arbeitsgruppe
Prof. Dr. Michael John Gorman (BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern / LMU)
Prof. Dr. Ulrich Pfisterer (Kunstgeschichte, LMU)
Prof. Dr. Bernhart Schwenk (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Pinakothek der Moderne)
Ein Schwerpunkt des Center for Advanced Studies (CAS) der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Die Sammlungen aus dem Reich Benin und aus Benin City im Museum Fünf Kontinente München

In der Afrika-Sammlung des Museums Fünf Kontinente befinden sich rund 50 Objekte aus Elfenbein, aus Kupferlegierungen (»Bronze«) und aus Holz, die in den Eingangsbüchern des Museums dem Reich Benin oder der Stadt »Benin City« zugewiesen wurden. Die konkrete Provenienz und die dazugehörigen Erwerbungsgeschichten sind bislang jedoch nur unvollständig erfasst und geklärt. Das ist gerade angesichts der anstehenden Forschungen und Restitutionsverhandlungen bezüglich der Werke aus dem Reich Benin umso relevanter, da der Begriff »Benin« als Herkunftszuweisung seit Ende des 19. Jahrhunderts über Jahrzehnte hinweg gerne als generelle »Catch-All-Bezeichnung« für kunstvolle afrikanische Werke aus Elfenbein und Messing benutzt wurde. Gewissermaßen umgekehrt befinden sich in der Münchner Sammlung allerdings auch Werke, die möglicherweise aus dem Reich Benin stammen, aber noch nicht als solche erkannt und klassifiziert wurden.
Die Fragen nach der tatsächlichen Herkunft dieser Objekte sowie deren Erwerbungs- und Aneignungsumstände sollen durch die Auswertung des diesbezüglichen Schriftverkehrs im Münchner Museum, in anderen Archiven in München, in den Archiven anderer Museen im deutschsprachigen Raum sowie in Archiven in Nigeria geklärt werden. Ergänzt werden sollen die Auswertungen schriftlicher Quellen durch oral history-Forschung bezüglich der Vorbesitzer der Werke im deutschsprachigen Raum und in Nigeria. Dazu kommen stilistisch-formale Untersuchungen der Werke, deren Herkunftsbestimmung in den Eingangsbüchern möglicherweise unzutreffend ist.
Die Ergebnisse sollen durch eine museumseigene Online-Stellung und durch Einspeisung in das übergeordnete Projekt »Digital Benin« weltweit online zugänglich gemacht werden.
Projektleitung: Dr. Stefan Eisenhofer, Museum Fünf Kontinente
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Audrey Peraldi, Museum Fünf Kontinente
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Hassan Rasheed Alao, University of Ibadan
Gefördert durch: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Projekt-ID: KK_KU06_2021
Projektlaufzeit: Dezember 2021 – März 2022
Der ´Blaue-Reiter-Pfosten´ und die Sammlung Max von Stettens (1893–1896) aus Kamerun im Museum Fünf Kontinente München

Gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, Bereich koloniale Kontexte, und durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Projektlaufzeit: November 2019 bis Ende Januar 2022.
Gesamtprojektleitung: Dr. Karin Guggeis, Museum Fünf Kontinente, München.
Projektleitung Kamerun: Prof. Dr. Albert Gouaffo, Université de Dschang, Kamerun.
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kamerun: Frankophone Regionen: Yrine Matchinda und Lucie Mbogni Nankeng, beide Université de Dschang. Anglophone Regionen: Professor Joseph Ebune und Dr. Ngome Elvis Nkome, beide University of Buea.
Ziel des proaktiv anberaumten Projekts ist eine möglichst detaillierte Erforschung der Erwerbssituationen und -orte der Sammlung des Kolonialoffiziers Max von Stettens aus Kamerun im Museum Fünf Kontinente bei gleichzeitiger Berücksichtigung seiner Positionen und Aktivitäten. Der Sammler war an mehreren sogenannten Strafexpeditionen in leitender Funktion beteiligt, zuletzt als Kommandeur der »Schutztruppe«. Exemplarisch soll zudem an der Person und Sammlung Max von Stettens die geteilte Geschichte zwischen Deutschland und Kamerun in der frühen Phase der Inbesitznahme Kameruns durch das Deutsche Kaiserreich erarbeitet werden. Die intensive längerfristige Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Partnerinnen und Partnern in Kamerun und Nachfahrinnen und Nachfahren dortiger Herkunftsgemeinschaften ist das Herszstück dieses post-kolonialen Forschungsprojekts.
Die Sammlung, die Max von Stetten zwischen 1893 und 1896 in sechs Zugängen dem Museum als Geschenk übermittelte, umfasst über 200 Objekte. Im Fokus des Projekts steht der sogenannte »Blaue-Reiter-Pfosten«, der im Almanach »Der Blaue Reiter« von Wassily Kandinsky und Franz Marc (1912) abgebildet ist. Bei weiteren Teilen der Sammlung hat sich im Laufe der Forschungen der Verdacht auf einen Erwerb in einem gewalttätigen Kontext erhärtet oder neu ergeben, bei anderen hingegen abgeschwächt. Ziel der Arbeiten von deutscher wie auch kamerunischer Seite in den folgenden Monaten ist es, die bisherigen Erkenntnisse zu erweitern und zu verifizieren sowie den Dialog weiterzuführen.
Exploring Visual Cultures
In diesem internationalen Kooperationsprojekt werden Materialien zum globalen Lernen in der Kunstvermittlung jenseits eurozentrischer Perspektiven oder kontinentaler bzw. nationaler Grenzen entwickelt. Diese Materialien gehen von konkreten Objekten, Bildern und Zeichen aus, bei denen die Sammlungen des Museums Fünf Kontinente in München eine besonders exemplarische Rolle spielen.
Als Kooperationspartner in Bayern fungieren:
Akademie der Bildenden Künste – Studiengang Kunstpädagogik (Prof. Dr. Ernst Wagner)
Museum Fünf Kontinente (Dir. Dr. Uta Werlich, Dr. Stefan Eisenhofer, Dr. Karin Guggeis)
Professur für Islamische Kunstgeschichte / Kunstgeschichte Afrikas an der LMU (Prof. Dr. Kerstin Pinther, Niklas Wolf M.A.)
Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB, StD Werner Bloß und sechs Modellschulen)
Kulturreferat der Landeshauptstadt München (Dr. Martin Rohmer)
Internationale Partnerinstitutionen:
University of Education in Winneba (Ghana)
University of South Africa in Pretoria (South Africa)
University of Pretoria (South Africa)
University of Yaoundé I / Libre Academie des Beaux-arts (LABA) in Douala (Cameroon)
Sultan Qaboos University (Oman)
Technical University Nairobi (Kenya)
University of Education Hong Kong
Angestrebt ist ein transnationaler Perspektivwechsel auf die jeweils ausgewählten Bilderwelten und damit auch auf die dahinterliegenden Weltbilder. Auf diese Weise werden die Disziplinen Kunstpädagogik/Kunstvermittlung und Kunstgeschichte sowie deren Zugänge und Methoden im Kontext globaler Entwicklung und aktueller postkolonialer Diskurse neu verortet.
Im Verlauf des Projekts finden an der Kunstakademie, am Museum Fünf Kontinente sowie an der LMU Seminare für Studierende, Kunstworkshops, Ausstellungsprojekte und transnationale Arbeitstreffen mit unseren Partnern statt. Zur Unterstützung der Projektsteuerung und wissenschaftlichen Begleitung wurde ein Beirat eingerichtet.
Das Projekt läuft zunächst bis zur Abschlusstagung im Wintersemester 2021/22. Anschließend werden die bis dahin entstandenen Ergebnisse in einer Handreichung und einem Netzportal mit Materialien für den Unterricht zusammengeführt. Diese stehen Hochschulen und Schulen zur Verfügung. Auf diese Weise wird es gelingen, »Globales Lernen« und »Nachhaltige Entwicklung« verstärkt in die künstlerische Bildung und in die Hochschularbeit zu integrieren. Die Lehreraus- und -fortbildung spielt dabei eine besondere Rolle.
The Dating of Benin Bronze Sculptures

Forschungskooperation zwischen der Universitat de Barcelona, Facultat de Química, Departament d’Enginyeria Química i Química Analítica und dem Museum Fünf Kontinente, durchgeführt von Prof. José F. García, Héctor Bagán, Alex Tarancón, Isabel Torralba (Universitat de Barcelona) und Dr. Stefan Eisenhofer.
Im Fokus dieses transnationalen interdisziplinären Projekts steht die Frage, inwieweit mit naturwissenschaftlichen Analysen eine verläßliche Altersbestimmung für die Gelbgußarbeiten (sogenannte »Bronzen«) aus dem Reich Benin (Nigeria) vorgenommen werden kann.
Dabei soll geklärt werden, ob sich hinsichtlich der Blei 210Pb – Aktivität Unterschiede zeigen zwischen Objekten aus dem 20. Jahrhundert sowie solchen, die vor 1897, der Eroberung des Reiches Benin durch britische Truppen, geschaffen wurden.
Sanskrithandschriften aus den Turfanfunden

Gefördert im Rahmen des »Akademienprogramms zur Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes« durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder von 1990 bis Ende 2017, durchgeführt von Dr. Klaus Wille
Nur wenigen Experten ist bekannt, dass das Museum Fünf Kontinente zu seinen Schätzen auch herausragende Objekte von der Seidenstraße zählt. Im Auftrag von Lucian Scherman, dem damaligen Direktor des Kgl. Ethnographischen Museums, wurden sie von dem Herrnhuter Missionar August Hermann Francke (1870–1930) und seinem Begleiter Hans Körber (1886–1979) im Jahr 1914 auf einer Expeditionsreise nach Innerasien erworben. Sie wurden vor allem in der Region von Khotan angekauft, einem einstmals buddhistischen Reich an der Südroute der Seidenstraße in der heutigen chinesischen Provinz Xinjiang.
Darunter zählen Fragmente einzigartiger Handschriften überwiegend buddhistischen Inhalts, die in mehreren Sprachen und Schriften geschrieben sind und aus der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrtausends stammen. Sie lassen eine multiethnische Schriftkultur erkennen, die von verschiedenen Formen des Buddhismus geprägt ist, wobei die indischen Elemente immer noch zentrale Bedeutung besitzen, die Einflüsse aus den beiden unmittelbar benachbarten Großreichen China und Tibet aber bereits deutlich sichtbar werden.
Dank der vorbildlichen Kooperation mehrerer akademischer Institutionen ist es jetzt gelungen, diese Handschriften zu digitalisieren und damit der weiteren wissenschaftlichen Erschließung verfügbar zu machen. Im Rahmen des »Verzeichnis der Orientalischen Handschriften in Deutschland« (VOHD), eines Langzeitvorhaben angesiedelt an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, werden derzeit die in Sanskrit geschriebenen Fragmente katalogisiert. Sie sollen als Band 13 der Reihe »Sanskrithandschriften aus den Turfanfunden« (VOHD X) ediert werden, ein Projekt, das Jens-Uwe Hartmann vom Institut für Indologie und Tibetologie der LMU München leitet. Dies bot eine willkommene Gelegenheit, gleich alle Handschriften digital zu erfassen. Im Ergebnis einer eindrucksvoll unbürokratischen Absprache zwischen der Direktion des Museums Fünf Kontinente, der Bayerischen Staatsbibliothek und dem Katalogisierungsprojekt stellte das Digitalisierungszentrum der Staatsbibliothek in der Woche vom 31. Juli bis zum 4. August 2017 im Museum die technische Ausrüstung bereit, das Museum sorgte für die konservatorische Betreuung, und Anne Peters und Klaus Wille, Mitarbeiter der Katalogisierung, führten die Digitalisierung durch. In dieser Zeit konnten alle 430 Fragmente digitalisiert werden.
Hintergründe und Provenienzen von Erwerbungen chinesischer Kunst aus sogenannten »Judenauktionen« in Berlin 1935 – Ein Projekt zur Provenienzforschung

Gefördert durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung (AfP), Berlin (übergegangen in Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste) und durch das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst von März 2014 bis Mai 2016, durchgeführt von Dr. Ilse von zur Mühlen
Vor dem Hintergrund einer Restitutionsforderung zu drei altchinesischen Objekten, die das damalige Museum für Völkerkunde (heute Museum Fünf Kontinente) 1935 auf einer Auktion bei Paul Graupe in Berlin sowie nach 1945 durch Tausch und Kauf erworben hatte, erforschte Dr. Ilse von zur Mühlen im Auftrag des Museums Fünf Kontinente die Vorprovenienzen und Hintergründe der Erwerbungen. Begleitet wurde das Projekt von Dr. Bruno J. Richtsfeld, dem Leiter der Abteilung Inner-, Nord- und Ostasien des Museums Fünf Kontinente, der im Vorfeld weitere 37 Objekte aus demselben Versteigerungsbestand feststellte. Zu überprüfen war, ob die Objekte im Sinne des Washingtoner Abkommens von 1998 als NS-verfolgungsbedingt entzogen einzuschätzen waren.
Die in Frage stehenden 40 Inventarnummern wurden 1935 in Berlin durch das Auktionshaus Paul Graupe während zweier Auktionen als Ware der Kunsthandlung Dr. Otto Burchard & Co. GmbH in Liquidation versteigert. Die Kunsthandlung gehörte zu dem internationalen Kunsthandelskonzern Margraf & Co. GmbH, dessen Geschäftsanteile den langjährigen Mitarbeitern Jacob und Rosa Oppenheimer 1929 als Vermächtnis zugesprochen worden waren. Das Ehepaar Oppenheimer wurde in der Zeit des NS-Regimes von Beginn an verfolgt. Beide waren jüdischen Glaubens und gingen bereits im April 1933 ins Exil nach Frankreich: Jacob Oppenheimer starb 1941 infolge einer Internierung durch die Franzosen, Rosa Oppenheimer wurde 1943 in Auschwitz ermordet.
Die Recherchen ergaben, dass die oben genannte Versteigerung infolge einer bereits seit 1929 bestehenden Überschuldung der Kunsthandelsgesellschaft durch riskante Handelsgeschäfte und die Aufnahme von Krediten beim Berliner Bankhaus Jacquier & Securius stattfand. Die Versteigerung erfolgte nicht aufgrund einer hoheitlichen Maßnahme der NS-Behörden, sondern als Folge einer Sicherungsübereignung durch die Bank und aufgrund eines einvernehmlich gezeichneten Versteigerungsvertrags zwischen dem (jüdischen) Versteigerer Paul Graupe, dem (jüdischen) Bankhaus Jacquier & Securius sowie dem gleichfalls jüdischen Geschäftsführer des Margraf-Konzerns, Ivan Bloch, einem der Schwiegersöhne des Ehepaars Oppenheimer. Die Forschung zeigte, dass auf den Versteigerungen angemessene Preise erzielt wurden. Aus dem Erlös wurden nachweislich sämtliche Kreditschulden bei dem Bankhaus beglichen. Der verbliebene Teil wurde offensichtlich ausbezahlt, nach einem Vermerk im Buchprüfungsbericht der Bank von 1938 heißt es: »Der Mehrerlös floß Margraf zu.« Die gleichfalls 1929 fällig gewordene Erbschaftssteuer wurde 1938 auf etwa die Hälfte reduziert, der Rest der Steuerschuld durch die Haupterbin gezahlt, während der Anteil von Jacob und Rosa Oppenheimer niedergeschlagen wurde.
Diese Forschungsergebnisse führten zu dem Schluss, dass nicht von einem NS-verfolgungsbedingten Entzug durch die Versteigerung auszugehen ist. Dieses Ergebnis wird gestützt durch eine Entscheidung des Spoliation Advisory Panel (SAP), London, vom 16.09.2015, in der die Versteigerung der Kunstwerke des Konzerns Margraf & Co. weder als NS-Zwangsverkauf noch als Versteigerung unter Wert beurteilt wird. Dem SAP zufolge könne sich der Antragsteller auch nicht auf einen »moralischen Anspruch« berufen, so dass weder eine Rückgabe noch eine freiwillige Zahlung gerechtfertigt sei.
»Siebolds Japanisches Museum«: Philipp Franz von Siebold (1796–1866) als Sammler und Museumstheoretiker

Gefördert von der japanischen Regierung von 2010 bis 2016, durchgeführt von Dr. Bruno Richtsfeld
1996 organisierten in Japan das Edo-Tôkyô-Museum in Tôkyô, das Hayashibara Museum of Art in Okayama und das National Museum of Ethnology in Osaka in Zusammenarbeit mit den Völkerkundemuseen in München und Leyden sowie dem Museum für Angewandte Kunst in Wien anlässlich des 200. Jubiläums des Geburtstages des Japanforschers Philipp Franz von Siebold eine Sonderausstellung mit Siebold-Objekten aus den genannten europäischen Museen. Da Siebold bereits 1835 an den bayerischen König Ludwig I. ein Schreiben mit einem Plan zur Gründung eines ethnographischen Museums in München gerichtet hatte, kommt der Münchner Sammlung, entstanden auf Siebolds zweiter Japanreise zwischen 1859 und1862, große japanologische und ethnologische Bedeutung zu. Darüber hinaus vermag sie Aufschluss über die Umsetzung musealer und sammlungstheoretischer Konzeptionen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu geben. Angesichts der Tatsache, dass 1839 Siebold in Leyden (nicht gesichert) oder 1841 Christian Jürgensen Thomsen (1788–1865) in Kopenhagen das älteste allgemein-ethnographische Museum der Welt begründete, zählt Siebold gemeinsam mit Edme Francois Jomard (1777–1862) zu den frühesten Theoretikern ethnographischer Museumskonzeptionen.
Im Dezember 2010 wurde zwischen dem Museum Fünf Kontinente (ehemals Staatliches Museum für Völkerkunde München) und den Japanese National Institutes for the Humanities (NIHA, Inter-University Research Institute) ein Kooperationsvertrag zur Erforschung und Erschließung des Münchener Bestandes geschlossen. Dieses Forschungs- und Ausstellungsprojekt ist Teil des umfassenden japanischen Projekts »A study of materials collected in Japan in the 19th century and then taken overseas. The project of making an inventory of the Siebold family collection and Siebold archival materials as part of a larger project of 19th century Japanese material abroad«.
Zwischen 2010 und 2015 reiste aus diesem Anlass zwei Mal pro Jahr eine japanische Forschergruppe unter Leitung von Professor Dr. Kurushima, und nach seiner Ernennung zum Direktor des National Museum of Japanese History, Sakura (Präfektur Chiba), von Frau Prof. Dr. Hidaka, der Lackspezialistin des genannten Museums, nach München und erfasste die im Museum Fünf Kontinente aufbewahrte Siebold-Sammlung wissenschaftlich und fotografisch. Das kommentierte Fotomaterial steht der internationalen Forschung mittlerweile als Data Base zur Verfügung. Der Leiter der Ostasien-Abteilung, Dr. Bruno J. Richtsfeld, bearbeitete zusammen mit den japanischen Kollegen die von Siebold gesammelten Objekte und erforschte die dazu noch erhaltenen schriftlichen Dokumente. Die Ergebnisse der Forschungen schaffte die Grundlage einer umfassenden Ausstellung mit dem Arbeitstitel »Siebolds Japanisches Museum« in den Jahren 2016 und 2017. Sie wurde in vier großen japanischen Geschichts- und Volkskundemuseen gezeigt (National Museum of Japanese History, Sakura; Edo-Tôkyô-Museum, Tôkyô; National Museum Ethnology, Osaka; Siebold-Memorial Museum Nagasaki; weitere Ausstellungsorte werden noch festgelegt).
Zu weiteren wissenschaftlichen Forschungen und zur Unterstützung der Vorbereitungsarbeiten dieser Ausstellung war Dr. Bruno J. Richtsfeld auf Einladung des National Museum of Japanese History in der Zeit vom 17. Dezember 2015 bis 17. März 2016 als Gastwissenschaftler in Japan tätig.
Pacific Presences Project, Cambridge (UK) »Max Biermann (1856–1929) auf den Marshall-Inseln«

Gefördert vom Museum of Archaeology and Anthropology in Cambridge (UK), durchgeführt von Dr. Hilke Thode-Arora
Wir freuen uns, dass unsere Kollegin Dr. Hilke Thode-Arora für ein weiteres Projekt zur Provenienzforschung ein mehrjähriges Stipendium vom Museum of Archaeology and Anthropology in Cambridge erhalten hat. Sie wird als Research Fellow unsere aus der deutschen Kolonialzeit in der Südsee stammende, vom Kaiserlichen Kommissar Max Biermann (1856–1929) auf den Marshall-Inseln zusammengetragene ethnographische Sammlung wissenschaftlich bearbeiten und kontextualisieren. Das Stipendium ist Teil des vom Europäischen Forschungsrat geförderten Projekts »Pacific Presences«: Unter Leitung des Museums in Cambridge werden europaweit Ozeanien-Sammlungen aus Mikronesien und Melanesien dokumentiert, interdisziplinär untersucht sowie aus europäischer und pazifischer Sicht kontextualisiert.
»Aitutaki Patterns or Searching for our Future in the Discoveries of our Past«

Forschungen zu Objekten von den Cook-Inseln, Polynesien, in europäischen Museen
Gefördert vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und teilfinanziert durch das Museum Fünf Kontinente von 2015 bis 2019, durchgeführt von Dr. Michaela Appel
In der Ozeanien-Sammlung des Museums befindet sich eine weibliche Ahnenfigur von der Cook-Insel Aitutaki, die Dr. Michaela Appel in den letzen Jahren erforschte. Der Vergleich mit Skulpturen von den benachbarten Cook-Inseln Rarotonga, Mangaia und Atiu sowie von den Austral-Inseln Rurutu und Ra’ivavae ergab, dass figürliche Darstellungen im östlichen Polynesien fast immer Metaphern für den Ursprung und die Abstammung der Menschen sind. Genealogien, die auf einen ersten Ahnen zurückgeführt werden, sind dort bis heute von höchster Bedeutung, nicht nur für die Definition verwandtschaftlicher Verhältnisse, sondern auch im Hinblick auf Landrechte und erbliche politische Ämter. Durch Studien im Archiv der London Missionary Society in der School of Oriental and African Studies konnte der Weg dieser Skulptur von Aitutaki über die tahitianische Insel Ra’iatea bis nach London verfolgt werden. Dort wurde sie 1825 von Johann Georg Wagler, einem Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, für Ludwig I. und Bayern erworben.
Im Juni 2015 war auf Einladung des Auswärtigen Amtes der Wissenschaftler Ngaa Kitai Taria Pureariki aus Aitutaki als curator in residence bei uns zu Gast. Im Laufe seines Aufenthaltes befasste er sich intensiv mit der weiblichen Ahnenfigur, vor allem mit ihren aufgemalten Tatauiermustern und deren Bedeutung.
Im Zuge der Nachforschungen, unter anderem auf Aitutaki, stellten sich genau diese Muster als unmittelbar zur Herkunftsgeschichte der Bewohner der Insel gehörig heraus. Nach Recherchen von Ngaa Kitai Taria Pureariki und Dr. Michaela Appel finden sie sich bereits als Muster auf den Booten früher Besiedler der Insel, denn jedes Boot hatte ein bestimmtes Muster, das seinerseits auf eine bestimmte Familie zurückzuführen war. Als neues Forschungsresultat kristallisierte sich heraus, dass spezifische Musterungen in direktem Zusammenhang mit traditionellen Wertesystemen stehen und sie visuell eindeutig symbolisieren. Zudem zeigte eine intensive Recherche in einigen europäischen Museumssammlungen, dass die Kenntnis dieser speziellen Muster immer wieder dabei hilft, Ethnografika aus Aitutaki zu identifizieren und ihren Sinngehalt zu bestimmen.
Die Fülle bis jetzt erbrachter positiver Forschungsergebnisse legt eine künftige Ausweitung der Recherche auf Sammlungen in Neuseeland und den USA nahe.
Restaurierungsmaßnahmen an neun thailändischen Tempelbildern des 18. und 19. Jahrhunderts

Gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung von 2012 bis 2015, durchgeführt von Jitka Kyrian, Dipl. Restauratorin
Das Museum Fünf Kontinente verfügt über eine Reihe thailändischer Tempelbilder, die zurück bis ins 18. Jahrhundert zu datieren sind. Die Malereien stellen Szenen aus dem Leben Buddhas dar oder auch Buddha selbst, häufig in Begleitung seiner Lieblingsschülern. Die Darstellungen wurden mit wässrigen Malmitteln auf sehr dünne Gewebe gemalt und den Gläubigen nur bei bestimmten religiösen Festen gezeigt. Klimatische Einwirkungen und die traditionell gerollte Aufbewahrung haben im Laufe der Zeit erhebliche Schäden an den Tempelbildern verursacht. Die Forschungslage ist dürftig: Publikationen mit Bezügen zur Materialuntersuchung sind rar. Obwohl die Korrespondenz mit Museen und Sammlungen in Europa, USA und Asien umfangreiche Bestände weltweit zutage brachte, waren systematische Pigmentidentifizierungen bis zu diesem Projekt nicht bekannt.
Systematische Photodokumentation einzelner Farbschichten unter starken Vergrößerungen geben nun Aufschluss über Pigment- und Füllstoffausmischungen, Korngrößenverteilungen, über Auftragsweisen der Malfarben, die Abfolge des Auftrags einzelner Farbschichten und nicht zuletzt über typische Schadensbilder. Mit der Punktretusche bleibt die Unterscheidbarkeit von Restaurierungseingriff und originaler Malerei erhalten.
Die Kontextualisierung der Samoa-Sammlung aus deutscher und samoanischer Perspektive

Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung von 2010 bis 2014, durchgeführt von Dr. Hilke Thode-Arora
Rund zwei Drittel der Samoa-Bestände des Museums Fünf Kontinente wurden über den Ethnographica-Händler und Völkerkschau-Impresario Carl Marquardt erworben. Sein Bruder Fritz lebte viele Jahre lang auf Samoa; der westliche Teil der Inselgruppe war von 1899 bis 1914 Kolonie des deutschen Kaiserreichs. Mit den Schaustellungen kamen zwischen 1895 und 1911 drei Gruppen meist ranghoher Samoaner nach Deutschland, welche in Deutschland und München Geschenke mit gekrönten Häuptern und anderen Würdenträgern tauschten. Die Geschenke an die Vertreter des bayerischen Königshauses sind heute ebenfalls Bestandteil der Sammlung des Museums Fünf Kontinente.
Zur Kontextualisierung der historischen und kulturellen Umstände dieser Völkerschauen und der daraus resultierenden Sammlungen wurden nicht nur Archivalien in europäischen, samoanischen, neuseeländischen und australischen Archiven gehoben, sondern auch Interviews mit Nachfahren der samoanischen Völkerschau-Reisenden geführt. So konnten erstmalig samoanische Perspektiven sowie mündliche Überlieferungen zu den Völkerschauen und den Sammlungen dokumentiert werden. Im Gegensatz zu den gängigen westlichen Anschauungen über Völkerschauen, die eher eine Opferperspektive der Teilnehmer betonen, zeigte sich eines der Ergebnisse des Projektes, dass samoanische Würdenträger sehr bewusst und mit politischem Kalkül an den Völkerschau-Reisen nach Deutschland teilnahmen und während ihrer Zeit in Europa in ständigem Austausch mit Samoanern auf der Inselgruppe standen.
Das Forschungsprojekt war das einzige aus dem Bereich Ethnologie, das von der Fritz Thyssen Stiftung 2010 genehmigt und 2012 verlängert wurde. Es resultierte in der 2014 im Museum gezeigten Ausstellung »From Samoa with Love? Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Eine Spurensuche.« sowie einem Buch in deutscher und englischer Sprache.
Die Ausstellung wurde vom Staatsoberhaupt von Samoa eröffnet und von ihm als Schirmherr begleitet. Für eine eigene Ausstellungseinheit konnte der samoanischstämmige Künstler Michel Tuffery gewonnen werden, der mit seinen Werken die samoanisch-deutsche Geschichte und die Samoa-Völkerschauen kritisch kommentierte.
Ausstellung und Publikation fanden große Resonanz in Samoa und den samoanischen Diaspora-Gemeinschaften. Sie haben dort eine nähere Beschäftigung mit dem Thema der Völkerschau-Reisen sowie die Öffentlichmachung weiterer mündlicher Überlieferungen zum Deutschland-Aufenthalt der Vorfahren angestoßen.
A Universe of Devotion: The Iconisation of Lal Shahbaz Qalandar in Pakistan

Finanziert vom Research Council of Norway von 2010 bis 2013, durchgeführt von Prof. Dr. Jürgen W. Frembgen
Prof. Dr. Jürgen Wasim Frembgen war einer von fünf Wissenschaftlern des internationalen Forschungsvorhabens »Muslim Devotional Practices, Aesthetics and Cultural Formation in Migrancy«. Sein Teilprojekt untersuchte die sinnliche Wahrnehmung sakraler Räume am Beispiel des Schreins von Lal Shahbaz Qalandar, dem populärsten Sufi-Heiligen Pakistans. Grundlage seiner Feldforschung ist die einzigartige und umfangreiche Sammlung pakistanischer Devotionalien im Museum Fünf Kontinente. Derzeit ist die abschließende Publikation des Gesamtprojekts in Vorbereitung. J.W. Frembgen ist darin mit dem Beitrag »The Iconic Presence of the Qalandar. Visual Piety in the Cult of the Sufi Saint Lal Shahbaz Qalandar in Pakistan« vertreten.
A Universe of Devotion: Networks of Devotees and their Ritual Spaces in the Context of the Pilgrimage to Lal Shahbaz Qalandar in Pakistan

Finanziert vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris von 2009 bis 2012, durchgeführt von Prof. Dr. Jürgen W. Frembgen
In Zusammenarbeit mit der »Mission interdisciplinaire Française du Sindh« (MIFS), an dem Kultur- und Sozialwissenschaftler aus Frankreich, Pakistan, den USA und Deutschland mitwirkten, diente dieses Teilprojekt der Untersuchung der Organisationsformen von Anhängern des Sufi-Heiligen Lal Shahbaz Qalandar und ihrer rituellen Orte. Der hauptsächliche Fokus lag auf der internen Struktur und den religiösen Aktivitäten dieser vorwiegend männlichen Kultgemeinschaften in Lahore, wobei die Sammlung und Dokumentation von Pilgerplakaten und Sufi-Postern im Museum Fünf Kontinente den Ausgangspunkt bildete. Derzeit ist die abschließende Publikation des Gesamtprojekts in Vorbereitung. J.W. Frembgens Beitrag trägt den Titel »We are Lovers of the Qalandar. Devotional Communities of Punjabi Pilgrims to Sehwan Sharif«.
Persische Miniaturen der Sammlung Preetorius

Finanziert durch die Preetorius-Stiftung von 2010 bis 2012, betreut von Prof. Dr. Jürgen W. Frembgen
Lejla Bajramovic, M.A. untersuchte als Stipendiatin der Preetorius-Stiftung im Rahmen eines von Prof. Dr. Avinoam Shalem (Institut für Kunstwissenschaft/LMU München, derzeit Columbia University/New York) betreuten Dissertationsvorhabens die persischen Miniaturen der Sammlung Emil Preetorius. Preetorius (1883–1973), der berühmte deutsche Illustrator und Bühnenbildner war ein überaus leidenschaftliche Kunstsammler.
Seine Sammlung persischer Miniaturen, die sich im Museum Fünf Kontinente befindet, hat Seltensheitwert in Deutschland. Sie wurde zum ersten Mal unter Berücksichtigung der Sammlerpersönlichkeit Preetorius sowie im Kontext der zeitgenössischen Kultur- und Kunstströmungen unter kunsthistorischen Gesichtspunkten wissenschaftlich bearbeitet. Darüber hinaus wurde das »Leben« der Sammlung – beginnend mit den ersten erworbenen Objekten um 1910 bis in die 1960er Jahre – erforscht: ihre Präsentation, ihre öffentliche Wahrnehmung, aber auch ihre unmittelbaren Einflüsse auf die Sammeltätigkeit von Preetorius. Die Dissertation ist derzeit in Vorbereitung; Teilergebnisse und ausgewählte Miniaturen wurden während des Symposiums zu Leben und Werk von Emil Preetorius im Oktober 2013 vorgestellt.
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