Lassen sich Religionen ausstellen – und wenn ja, wie? Von dieser Frage ausgehend, beschäftigt sich Dr. Patrick Felix Krüger in seinem Vortrag mit dem spannungsreichen Verhältnis von Museum und Kirche. Kirchen wandeln sich zunehmend zu »musealen« Räumen, sei es durch Entwidmung oder liturgische Objekte ohne rituelle Funktion. Museen hingegen inszenieren Ausstellungen mit sakraler Anmutung: Räume, die an Tempel oder Kirchen erinnern, Objekte als Kultbilder, Inszenierungen, die religiöse Erfahrungen suggerieren.
Diese Entwicklungen machen nicht Halt bei der religiösen und musealen Praxis säkularer europäischer Gesellschaften. Auch die religiösen Traditionen des Hinduismus und Buddhismus stehen zunehmend im Spannungsfeld zwischen Kult und Kunst. Während Tempel traditionell als aktive Orte religiöser Praxis fungieren und ihre Skulpturen und Bilder Teil lebendiger Rituale sind, werden diese Objekte im musealen Kontext oft aus dem spirituellen Zusammenhang gelöst, als Kunstwerke betrachtet und ästhetisch inszeniert. Doch auch hier verschwimmen die Trennlinien: Hinduistische und buddhistische Tempel werden »musealisiert« und inszenieren Kultbilder als Ausstellungsstücke. Zugleich tolerieren Museen die religiöse Verehrung der von ihnen bewahrten Objekte und ermöglichen damit verbundene rituelle Praktiken.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen diskutiert der Vortrag Möglichkeiten und Grenzen der Darstellung von Religion(en) mittels Kunstobjekten, Figuren und Bildern. Gleichzeitig stellt er die Frage nach der Vielschichtigkeit der Metaphorisierung der in Tempeln und Museen aufbewahrten, religiös konnotierten Gegenstände: Bilder und Skulpturen bedienen sich von alters her visueller Metaphern, um die göttliche Transzendenz innerhalb der jeweiligen Religion fassbar zu machen; andererseits macht ihre Präsentation nach musealen Prinzipien sie auch zur Metapher für ein Publikum, das nicht mit der jeweiligen Religion vertraut ist.
Der Referent
Dr. Patrick Felix Krüger ist Kunst- und Religionshistoriker am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum und forscht am dort angesiedelten Sonderforschungsbereich »Metaphern der Religion«. Er ist spezialisiert auf die Kunstgeschichte des Jainismus und der hinduistischen Religionen. Weitere Forschungsgebiete sind Missionsgeschichtliche Sammlungen, Religion und Museum sowie theoretische und historische Museologie.
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