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Zentral- und Südamerika

Geschichte(n) auf Keramik und Textil | Vernetzt. Verstrickt. Verwoben. Anziehendes aus dem südlichen Abya Yala

Unsere Sammlungen umfassen Kulturgut aus nahezu allen Ländern Zentral- und Südamerikas – von Feuerland bis zum Río Grande. Zeitlich betrachtet reichen die Bestände von kulturellen Zeugnissen präkolumbischer Gesellschaften bis hin zu Werken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. Indem unterschiedliche Regionen und Epochen gezielt in den Fokus rücken, ermöglichen die beiden Ausstellungsteile – Geschichte(n) auf Keramik und Textil und Vernetzt. Verstrickt. Verwoben. Anziehendes aus dem südlichen Abya Yala – vielschichtige Einblicke in indigene Lebenswelten und versammeln mehr als zwei Jahrtausende reich gestalteter materieller Kultur – Zeugnisse der Vergangenheit, historischer Umbrüche und gegenwärtiger Fragestellungen.

Geschichte(n) auf Keramik und Textil

Dieser erste Teil der Ausstellung richtet den Blick auf die Kulturen Perus vor der spanischen Eroberung. Besondere Beachtung verdienen kunstvoll gearbeitete Keramikgefäße, filigrane Steinskulpturen und ausgewählte Goldobjekte. Sie erzählen von alten Götterwelten, von den Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen sowie von Krieg und Konflikt.

Der Rundgang beginnt mit Zeugnissen der präinkaischen Kulturen Nazca, Moche, Chancay und Casma. Anschließend gelangt man zu einem beeindruckenden Architrav aus einem Recuay-Tempel, der die Darstellung eines Mannes mit zwei Katzen zeigt. Im weiteren Verlauf treten Werke der Inka-Zivilisation in den Fokus, deren Reich sich auf dem Höhepunkt seiner Macht (1400-1533) über mehr als 4.000 Kilometer, vom heutigen Ecuador bis nach Chile erstreckte. Ergänzt wird die Präsentation durch Keros – zeremonielle Trinkgefäße aus der Zeit vor und nach der europäischen Eroberung der Anden – sowie durch Ruder von der Südküste Perus. Darüber hinaus sind Maya-Keramik und Objekte aus Mexiko zu sehen, die einen Bogen von der Zeit vor der spanischen Eroberung bis ins 19. Jahrhundert schlagen.

Vernetzt. Verstrickt. Verwoben. Anziehendes aus dem südlichen Abya Yala

Dieser Teil der Ausstellung widmet sich Textilien sowie verwandten Themen. Abya Yala ist einer der Namen, die der Kontinent von seinen indigenen Bewohnern erhielt - von den Guna in Panama und, in geringerem Maße, Kolumbiens. Für viele indigene Gesellschaften steht Abya Yala (unser Land in voller Blüte) heute für Selbstbestimmung und Widerstand gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen.

Die Ausstellung zeigt die enge Verflechtung von Kleidung und Identität und welche vielfältigen Funktionen sie erfüllt: Sie enthüllt und verhüllt den Körper, bietet Schutz vor Umwelteinflüssen und ist Ausdruck von Kreativität und Zugehörigkeit. Kurz gesagt: Kleider machen Leute.

Zu sehen sind farbenprächtiger Körperschmuck der Kayapó aus Brasilien, Musterkunst der Shipibo aus Peru, traditionelle Maskengewänder aus dem nordwestlichen Amazonasgebiet, leuchtende Molas der Guna aus Panama, Kleidung aus dem Amazonasgebiet Ostperus, Textilien und Schmuck der Mapuche aus Chile sowie Gewebe aus dem Hochland von Peru und Bolivien.

Für Vernetzt. Verstrickt. Verwoben. lud das Museum Fünf Kontinente Studierende der Ethnologie als Gastkuratoren ein. Sie konzentrierten sich auf die Bedeutung der ausgestellten Stücke für die Herkunftsgesellschaften und betonten die Kraft, mit der diese Vergangenheit und Gegenwart verbinden – trotz existenzieller Bedrohungen ihrer Lebensgrundlagen.

Zur Begrifflichkeit

Die für Zentral- und Südamerika geläufige Bezeichnung »Lateinamerika« verweist auf die koloniale Vergangenheit der Region als einstige Besitzungen europäischer Mächte. Doch die Geschichte ihrer Bevölkerung und der kulturelle Reichtum, der hier über Jahrtausende gewachsen ist, reichen weit über diese Epoche hinaus. Sie zeugen von einer beeindruckenden Vielfalt, die mehr als fünf Jahrhunderte kolonialer Eingriffe überdauert hat und bis in die Gegenwart fortwirkt.

Impressionen

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