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Südwestasien und Nordafrika

Leben zwischen Atlas und Indus

Die Dauerausstellung zeigt in vier Sälen über 100 Objekte aus Südwestasien und Nordafrika – einer Region, die sich von Nordafrika über West- und Zentralasien bis zum indischen Subkontinent erstreckt. Städtische, ländliche und nomadische Gesellschaften mit muslimischen, christlichen, jüdischen, zoroastrischen und anderen religiösen Traditionen haben hier jeweils eigene kulturelle Ausdrucksformen entwickelt. Die Ausstellung zeigt diese Vielfalt: von religiösem Kulturgut über Alltagsgegenstände bis zu höfischer Kunst.

Die Objekte stammen aus unterschiedlichen Epochen und Kontexten. Archäologische Funde aus Ägypten und Iran stehen neben Werken des 19. und 20. Jahrhunderts aus Afghanistan, Pakistan und Zentralasien. Die Spannweite reicht von einem daumengroßen Zahnfläschchen aus dem 10. Jahrhundert bis zu einem monumentalen Gartenpavillon aus weißem Marmor aus dem Punjab (spätes 18. Jahrhundert).

Die gezeigten Objekte dokumentieren verschiedene Lebensbereiche: Wandfliesen aus Syrien, Iran und Zentralasien sowie geschnitzte Hausportale aus Pakistan gestalteten Wohn- und Repräsentationsräume. Die keramische Figur eines Lautenspielers aus Iran oder eine georgische Tschuniri-Laute zeigen musikalische Traditionen. Koranhandschriften, Standarten und ein Qibla-Anzeiger dokumentieren religiöse Praktiken, während eine für den europäischen Markt hergestellte Deckelschale auf Handel und Austausch verweist.

Andere Stücke entstanden für Herrschende und Eliten. Buchillustrationen aus dem 16. und 17. Jahrhundert vermittelten literarische und historische Geschichten für gebildete Auftraggebende. Eine silbertauschierte Messingplatte wurde im 13. Jahrhundert für Badr ad-Din Lulu, den Herrscher von Mosul im Norden des heutigen Irak, gefertigt und nutzt figürliche Darstellungen zur Machtrepräsentation. Ein bronzenes Gießgefäß in Hirschgestalt aus der ägyptischen Fatimidenzeit (10./11. Jahrhundert) verbindet Funktion mit aufwendiger Gestaltung.

Historische Objekte treten in der Ausstellung in Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Die marokkanisch-amerikanische Künstlerin Lalla Essaydi setzt sich in ihrer Fotografie Fumée d'Ambre Gris mit orientalistischen Bildern auseinander und entwickelt eigene Perspektiven. Solche Arbeiten laden dazu ein, die Begriffe zu hinterfragen, mit denen über diese Regionen gesprochen wird: Der »Orient« war stets eine europäische Vorstellung, keine geografische oder kulturelle Realität.

Die Ausstellung ermöglicht Begegnungen mit der Vielfalt und Kreativität der Region über verschiedene Epochen hinweg. Die seit der Museumsgründung gewachsene Sammlung umfasst Objekte aus den Beständen der Wittelsbacher, wissenschaftlichen Nachlässen und Schenkungen von Privatpersonen – Erwerbskontexte, die wir kontinuierlich erforschen und transparent machen.

Impressionen

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