Kabuki bedeutet wörtlich »Tanz, Gesang und Schauspielkunst«. Es entstand um die Wende zum 17. Jahrhundert in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Umwälzungen. Trotz vehementer Unterdrückungsmaßnahmen seitens der Herrschenden etablierte sich das Theater in der streng nach neo-konfuzianistischen Vorstellungen geordneten Gesellschaft der Edo-Zeit (1603–1868) als feste Größe in der städtischen Kultur. Mehr als vierhundert Jahre später zählt es heute zum Weltkulturerbe. Krisen wie die turbulenten gesellschaftlichen Umwälzungen der Meiji-Zeit (1868–1912), zwei Weltkriege oder die Konkurrenz von Film und Fernsehen hat es gemeistert und behauptet auch im digitalen Zeitalter seinen Platz in der japanischen Theaterlandschaft.
Der Vortrag gibt einen Einblick in die Geschichte dieser einzigartigen Theaterform, ihre berühmten Stars und ihre Stücke voller Loyalität, Intrigen und tragischen Liebesgeschichten. Darüber hinaus geht er der Frage nach, wer zum Fortbestand dieses grandiosen Entertainments beigetragen hat und heute beiträgt. Häufig wird das Kabuki als staatlich finanziertes Nationaltheater missverstanden. Tatsächlich war es von Anfang an ein kommerzielles Unternehmen, getragen von der Vielseitigkeit und Genialität seiner Schauspieler und ihrer Kunst – und abhängig vom zahlenden Publikum und risikofreudigen Investoren. Lernen Sie einige der Schauspieler, Theaterautoren, Sponsoren und Unternehmer kennen, denen es zu verdanken ist, dass dieses oft als museal bezeichnete klassische Volkstheater Japans über Jahrhunderte hinweg lebendig geblieben ist und es ihm immer wieder gelingt als Tradition in der Gegenwart zu bestehen.
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